Italien

Fachgruppensprecherin:

Caterina Pinto
E-Mail: fg-it(at)mediation-dach.com

Ich möchte mich kurz vorstellen…

Mein Name ist Caterina Pinto, ich bin gebürtige Italienerin und lebe und arbeite seit acht Jahren in Deutschland. Als Diplom Oriental-Kulturwissenschaftlerin habe ich sowohl in Italien, im Iran, in Indien und auch in Deutschland studiert. In Berlin habe ich meine Kenntnisse u.a. in der Projektarbeit von Unternehmen und Vereinen, bei Museen, Verlagen und zuletzt bei dem Italienischen Außenhandelsinstitut vertieft.

2010 habe ich den Master in Mediation an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder) abgeschlossen. Seitdem arbeite ich selbständig als Mediatorin, Unternehmensberaterin und Dozentin in Deutschland und in Italien. Beim Mediation D A CH möchte ich u.a. einen Beitrag zur Verbindung zwischen Deutschland und Italien leisten und freue mich darüber mit engagierten Menschen zusammen zu arbeiten.

Ziele und Inhalte der Fachgruppe

Die Länder Deutschland und Italien sind wichtige Geschäftspartner. Italien ist immer noch eines der beliebtesten Urlaubsziele deutscher Touristen. Die Mobilität innerhalb von Europa begünstigt deutsch-italienische Freundschaften und Beziehungen. Damit haben alle BewohnerInnen dieser Länder einen Grund, sich speziell mit dem jeweilig anderen Land zu beschäftigen.

Die Gruppe soll dem fachlichen und persönlichen Austausch dienen und die Mitglieder mit neuen Erkenntnissen und Bekanntschaften bereichern. Sie bleibt für weitergehende Themen und Fragestellungen offen.

Interview Reihe „Stimmen zum neuen Mediationsgesetz“

Im Rahmen einer Interview-Reihe: „Stimmen zum neuen Mediationsgesetz“, erschienen in der konfliktDynamik, 1. Jahrgang, Heft 3/2012, wurden neben Stimmen aus der Politik und aus der deutschen Mediationslandschaft auch unsere europäischen Nachbarn nach ihrer Einschätzung befragt.

Das Interview mit Prof. Damiano Marinelli führte die Fachgruppensprecherin internationale Zusammenarbeit Italien, Mediation D A CH, Caterina Pinto.

Stimmen europäischer Nachbarn: Italien

Prof. Damiano Marinelli
(Universität Ecampus, Herausgeber »Temi di Mediazione«)

KD: Die große Klageanzahl in Italien wirkt sich auf viele Bereiche der Justiz blockierend aus. Ein Prozess braucht bis zum Bundesgerichtshof (Corte di Cassazione) ca. 3000 Tage. Die Mediation, die im Schnitt 53 Tage bis zur Vereinbarung braucht, ermöglicht es den MediantInnen, eine Menge Zeit zu sparen. Seit März 2012 ist Mediation verpflichtend in vielen Bereichen. Das bedeutet ca. eine halbe Million Fälle jährlich. Wie sehen Sie die Situation in Italien insgesamt?

Prof. Marinelli: In Italien ist Mediation seit dem 20.03.2011 zwingend für Streitigkeiten in Zivil- und Handelssachen auf folgenden Gebieten vorgeschrieben: Wohnungseigentumsrecht, Erb-, Miet- und Pachtrecht, Finanz-, Bank- und Versicherungswesen sowie Schadensersatz aus Fahrzeug- und Schiffsgefährdungshaftung, Arzthaftung und Presserecht.

In anderen Rechtsgebieten kann der Richter eine Mediation anordnen. Mediationsverfahren, die ohne Mitwir- kung von Anwälten stattfinden, sollen von den Handelskammern oder von den ca. 70 privaten Schlichtungsstellen und Mediationsinstituten durchgeführt werden.

KD: Wie läuft die Mediation in Italien nach dem Mediationsgesetz?

Prof. Marinelli:  Das Justizministerium konnte zwischen März und Dezember 2011 (seit Einführung der Pflichtmediation) 60810 Fälle registrieren. 77% davon waren Pflichtmediationen, 20 % davon freiwillige Mediationen. Im Durchschnitt beträgt der Streitwert eines Falles 93700€, dauert im Durchschnitt weniger als zwei Monate und ist in der überwiegenden Anzahl der Fälle erfolgreich.

KD: Was wünschen Sie den Deutschen?

Prof. Marinelli: Wir Italiener glauben, dass in Deutschland mehr Effizienz herrscht, in der Justiz wie in der Verwaltung. Ich glaube dennoch, dass die Zusammenarbeit und Einigung zwischen allen involvierten Akteuren notwendig ist, und zwar zwischen dem Justizministerium, den RA-Verbänden, den Mediationsverbänden, den Verbraucherverbänden sowie den Bündnissen anderer Berufe, damit alle gemeinsam zusammenwirken können. Dafür wünschen wir den Deutschen viel Erfolg!

Die Interview-Reihe in voller Länge finden Sie hier.